Das sagen die Parteien: Warum nach dem Studium zurück nach Südtirol

Nicht immer kehren Akademiker*innen nach ihrem Studium zurück nach Südtirol. Welche Maßnahmen die Listen und Parteien, die bei der Landtagswahl am 21. Oktober antreten, ergreifen wollen, lest ihr hier.

Team Köllensperger:

Dank des Wohlstandes, steigender Mobilität, individueller Freiheit, interessanterer Ausbildungs- und Arbeitsplätze suchen immer mehr neugierige junge Südtiroler den freiwilligen Weg ins Ausland. Dies ist prinzipiell zu begrüßen und zu unterstützen denn sie sind unsere besten Botschafter in der Welt. Von diesem Talentexport kann Südtirol von einer eventuellen Rückkehr oder vom Vorhandensein von Netzwerken profitieren.

Südtirol sollte sich vor diesem Hintergrund nicht darauf versteifen, in der Verhinderung der Auswanderung und in der Rückholung von hochqualifizierten Südtirolern im Ausland eine Priorität zu sehen. Entscheidend ist vielmehr der effektive Saldo von Zu- oder Abwanderung.

Maßnahmen:

1) Für bestehende Sektoren die gut funktionieren: Forschung und Entwicklung in den Sektoren die Südtirol auszeichnen, wie Umwelt, Natur, Tourismus gehören unterstützt damit sie wettbewerbsfähig und innovativ bleiben und so weiters junge Köpfe anziehen können.

2) Für bestehende Sektoren wo es einen Fachkräftemangel gibt: Als Paradebeispiele kann man die Landesverwaltung oder die Sanität hernehmen, wo Nachfrage aber kein Angebot besteht. Hier müssten man die Berufe attraktiver machen (z.b. Fachkarrieren in der Verwaltung), das Lohnniveau an die Nachbarregionen des Alpenraumes angleichen, die Autonomie im Bereich Titelanerkennung ausbauen und/oder den Abbau der Anerkennungsprozedur bei Studien- und Berufstitel anzupeilen sowie schlussendlich die hiesige Lebensqualität besser vermarkten.

3) Für neue Sektoren: Einige hochqualifizierte Sektoren und Berufe gibt es in Südtirol gar nicht, es herrscht ein Problem bezüglich der Qualität und Unterqualifizierung der Arbeitsplätze. Südtirol kann zwar nicht alles anbieten, man sollte aber durch den Ausbau von Uni und Forschungseinrichtungen sowie Unterstützung bei Unternehmensgründungen in gezielten neue Berufsbilder und Branchen investieren.

Süd-Tiroler Freiheit:

Viele Studenten kehren nach dem Abschluss an einer Universität außerhalb Südtirols oftmals nicht in ihr Heimatland zurück, da entweder ihre Studientitel nicht anerkannt werden oder weil sie im Ausland bessere Karrierechancen haben als hierzulande. Deshalb fehlt es in vielen Bereichen an Fachkräften wie etwa im Gesundheitssystem. Um Studenten wieder in ihre Heimat zurückzulocken, müssen unbedingt Maßnahmen gesetzt werden. Zum einen wäre es wünschenswert, da ein Großteil der Südtiroler in Österreich studiert, dass alle dort erworbenen Studientitel auch in Südtirol anerkannt werden. Diesbezüglich wurde auch schon ein Beschlussantrag der Süd-Tiroler Freiheit im Landtag angenommen (13.09.2018). Nun bleibt nur noch zu hoffen dass die Landesregierung in den Gesprächen mit der italienischen und der österreichischen Regierung Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft beweist. Ein weiterer Schritt ist natürlich die Anerkennung aller Studientitel, die innerhalb der EU erworben werden. Denn grundsätzlich kann man in der EU davon ausgehen, dass die Ausbildung und die Qualität der verschiedenen Berufe auf etwa demselben Niveau sind, deshalb sollten auch die dort erworbenen Studientitel in Zukunft in Südtirol anerkannt werden. Ein weiterer Schritt, die Rückkehr von Studenten voranzutreiben, ist eine Steuererleichterung bei der Einkommenssteuer (IRPEF) und bei der Wertschöpfungssteuer (IRAP) bei gewerblicher Tätigkeit. Hinsichtlich der Einkommenssteuer wurde bereits im Jahre 2010 das Projekt „Rientro dei cervelli“ ins Leben gerufen, das eine Steuerbegünstigung für Rückkehrer aus dem Ausland vorsieht. Das Ausmaß der Steuerbegünstigung wurde im Lauf der vergangenen Jahre jedoch mehrfach geändert und liegt für Akademiker seit dem Finanzgesetz von 2017 bei rund 50% für fünf Jahre. Das bedeutet, dass Akademiker in den fünf Jahren nach Verlegung des Steuerwohnsitzes nach Südtirol nur die Hälfte ihres Einkommens besteuern müssen. Um die Rückkehr nach Südtirol aber noch mehr voranzutreiben, fordert die Süd-Tiroler Freiheit, dass der steuerfreie Betrag wieder angehoben wird und diese Steuerbegünstigung über einen längeren Zeitraum als fünf Jahre Geltung hat.

Auf der anderen Seite kann die Reduzierung der Wertschöpfungssteuer bei der Schaffung von Arbeitsplätzen für Akademiker in der eigenen Firma Anreiz für Unternehmer sein, wieder vermehrt Studienabgänger einzustellen. Ziel sollte auch hier wieder sein, dass die Steuererleichterung der Unternehmen in einem bestimmten Maß an die Akademiker weitergegeben werden kann, sodass in der Folge höhere Löhne bezahlt werden können. Außerdem wäre es angebracht, dass das Land Unternehmen beim „Recruiting“ von Akademikern/Studenten schon während der Studienzeit unterstützt. So wie die Business Location Südtirol (BLS) anfangs ins Leben gerufen wurde, um Unternehmen nach Südtirol zu locken, so könnte eine ähnliche Initiative ergriffen werden, um Akademikern die Rückkehr schmackhaft zu machen. Schon mit einem vermehrten Angebot an Praktika-Stellen können Unternehmen Studenten bereits während des Studiums anwerben, Betriebsluft zu schnuppern und danach vielleicht in ihrem Unternehmen in Südtirol fix einzusteigen. Zudem muss das Land danach streben, den Umzug in die Provinz für die Akademiker so einfach wie möglich zu gestalten, z.B. indem explizit Wohnungen für Akademiker/Jungärzte zur Verfügung gestellt werden. Abschließend muss mehr in die Forschung investiert werden, damit in Südtirol größere, auch grenzüberschreitende Forschungsprojekte angesiedelt werden, an welchen Akademiker ihr angeeignetes Wissen einsetzen können. Im medizinischen Bereich etwa könnten solche Initiativen, z.B. in Zusammenarbeit mit dem Trentino und mit Nordtirol, viele Früchte tragen. 

Die Freiheitlichen:

  1. Eine Anlaufstelle für Jungärzte, die ihnen organisatorisch zur Seite steht und Ihnen gegenüber der Bürokratie hilft.
  2. Einführung eines Praktikumsjahrs im Landesdienst nach Nordtiroler Vorbild („Verwaltungspraktikum“) und Schaffung von mehr Akademikerstellen anstelle von untergeordneten Stellen, die durch die Digitalisierung wegfallen.
  3. Beihilfen für Unternehmen, die rückkehrende Akademiker mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag und einer adäquaten Bezahlung einstellen.

BürgerUnion:

Zum ersten muss sicherlich eine attraktive Arbeitsmöglichkeit geschaffen, das leistbare Wohnen gefördert und auch die Familienunterstützung attraktiver gestaltet werden. Auch in Sachen Studientitelanerkennung muss noch vieles vereinfacht werden. Weiters muss die finanzielle Situation angepasst werden. Die Arbeit in Südtirol muss wieder gerechter entlohnt werden. Zum dritten müssen Südtirols Betriebe einen starken Steuernachlass verspüren. Durch die Steuersenkung können höhere Gehälter bezahlt und somit die heimische Wirtschaft angekurbelt werden. Damit einhergehend ist die Einstellung von ausgebildeten Akademikern.

 

Südtiroler Volkspartei:

Für die unterschiedlichen Berufe gibt es unterschiedlich Rahmenbedingungen, weshalb es für die Rückkehr der Akademiker/innen teilweise sektorenspezifische Überlegungen braucht. Für den Gesundheitsbereich war die wohl wichtigste Maßnahmen, dass die Facharztausbildung nach österreichischem Modell nun wieder in Südtirol absolviert werden kann, und zwar an 80 von 107 Abteilungen der Krankenhäuser des Südtiroler Sanitätsbetriebes. Der gesetzliche Rahmen wurde vom Gesundheitsministerium anerkannt, weshalb es nun gilt, mit der Ausbildung unverzüglich zu starten und die Anstellungsverhältnisse zu beschleunigen.
Allgemeine und sektorenunabhängige Maßnahmen sind des Weiteren:

–        Viele Menschen kehren nach Südtirol zurück, weil es sich hier sehr gut leben lässt. Mit dem Erhalt dieses einmaligen Lebensraumes bewahren wir auch die Lebensqualität und Attraktivität unseres Landes. Eine intakte Natur- und Kulturlandschaft gehören zu dieser Lebensqualität ebenso dazu wie leistbarer Wohnraum, ein funktionierendes Gesundheitssystem, ein breites kulturelles sowie ein vielfältiges Sport- und Freizeitangebot und ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr. Dafür haben wir in den vergangenen Jahren viel getan und werden wir auch weiterhin tun.

–        In Südtirol ist der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung und der Anteil von Hochtechnologieunternehmen und wissensintensiven Dienstleistungen vergleichsweise niedrig. Dies hat unter anderem zur Folge, dass viele Hochqualifizierte nach ihrer Ausbildung nicht in Südtirol bleiben oder nach ihrer Ausbildung nicht in ihre Heimat zurückkehren. Wenn wir das ändern möchten und der Jugend Zukunftsperspektiven im Land geben und die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe anheben wollen, müssen die Aktivitäten für Forschung und Entwicklung gesteigert werden.

Grüne Verdi Verc:

1) Die Anerkennung von Studientiteln aus dem Ausland muss erleichtert werden. Momentan ist diese nämlich zum Teil mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden. Auch müssen Titel, welche an Fachoberschulen beispielsweise in Deutschland oder Österreich erworben wurden, gleich anerkannt werden, wie universitäre Abschlüsse. Wir würden auf regelmäßige Einberufung der zuständigen Kommission drängen und durch regelmäßige persönliche Vorsprachen an den Ministerien in Wien und Rom den Druck erhöhen.

2) Viele Südtiroler Jungakademiker*innen stehen nach dem Studium vor dem Problem, dass sie gerne wieder nach Südtirol zurückkehren möchten, es dort aber keine angemessenen Arbeitsplätze für sie gibt. Um diesem sogenannten „Braindrain“ entgegenzuwirken, muss eindeutig mehr für die Einrichtung von Forschungsstätten und Gründung von Start-Up-Unternehmen geleistet werden. Mehr Platz für die Forschung schaffen und die Start-Up-Szene unterstützen. Vor allem in den Gemeinden sollten – wie etwa im Falle von Brixen – im Umfeld von Universität und Unternehmen, start-up-Cluster gebildet werden, mit Basisfinanzierungs-Schienen und Büro- bzw. Werkräumen und bürokratischen Erleichterungen.

3) Lebenshaltungskosten sind in Südtirol viel zu hoch, diese müssen gesenkt und durch höhere Löhne ausgeglichen werden. Zudem muss die Ausbildung von Ärzt*innen in Südtirol so attraktiv, wie möglich gestaltet werden. Um dem vorherrschenden Mangel an medizinischem Fachpersonal an Südtirols Krankenhäusern entgegen zu wirken. Da die Stipendien inzwischen deutlich erhöht wurden, ist auch seitens der Sanitätsverwaltung auf ein zielgerichtetes recruiting nach dem Vorbild österreichischer Bundesländer (Vorarlberg!) zu achten, durch zeitgerechtes Ansprechen von Neodoktoren und doktorinnen, mit eingehender persönlicher Beratung.

Die Antworten der Parteien und Listen wurden der Südtiroler HochschülerInnenschaft via E-Mail Ende September übermittelt und in dieser Weise, ohne Kürzungen und Korrekturen, hier veröffentlicht.  Die Inhalte entsprechen den Ansichten der Parteien und Listen und wurden von diesen nach Anfrage der sh.asus ausgearbeitet. Die Anordnung der Antworten entspricht der Reihenfolge der Parteien auf offiziellen Kundmachung (http://wahlen.provinz.bz.it/downloads/OffiziellesKadidatenplakat2018.pdf). Ziel des Beitrages ist es, Studierende über die Ansichten der wahlwerbenden Parteien und Listen zu studentischen Themen zu informieren. 

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